Oha! The Biodiesel Experience
Man stelle sich vor, es gäbe einen Treibstoff, der
aus Pflanzen hergestellt wird, dadurch
beim Verbrennen nur so viel co2 ausstößt wie die Pflanzen aufgenommen haben
biologisch abbaubar ist bei einem Unglück weder Boden noch Küsten verseuchen würde
dessen Erlöse nicht der Mineralölindustrie, sondern der Landwirtschaft und regionalen Arbeitsplätzen zugute kommen
der einfach über das bestehende Tankstellennetz verkauft werden,
fast überall auf der Welt hergestellt werden kann und damit
Konflikte um die schwindenden Erdölvorräte (siehe Irak) entschärfen oder sogar auflösen kann
wesentlich schadstoffärmere und angenehmere (kein Schwefel) Abgase emittiert als Benzin
Wäre schön, oder? Nein. Ist schön. Biodiesel ist eine Realität, die an 1.500 Tankstellen allein in Deutschland bezogen und im wahrsten Sinne des Wortes erfahren werden kann.
Was
ist Biodiesel?
Biodiesel ist ein Treibstoff, der aus pflanzlichen Fetten (nach DIN-Norm aus Rapsöl, prinzipiell sind viele andere Öle und Fettabfälle auch möglich) hergestellt wird. Dabei wird das Öl mit Methanol versetzt und mit einem chemischen Prozess namens Umesterung – laienhaft ausgedrückt warmmachen und umrühren - zu Biodiesel verarbeitet.
Damit ist Biodiesel im Prinzip nichts weiteres als weiterverarbeitetes Pflanzenöl, mit dem man Autofahren kann. Es kann wie Diesel getankt werden und macht im Motor das gleiche wie Mineralöl: Es verbrennt und treibt mit der freigesetzten Energie den Motor an.
Was
habe ich davon?
Zum einen natürlich ein erleichtertes Umweltgewissen: Wer Biodiesel fährt, verursacht dadurch in der Gesamtbilanz (also, wenn man den Energieeinsatz für Anbau/Förderung, Verarbeitung und Verteilung von Biodiesel bzw. Fossil-Diesel mit einbezieht) 72% weniger co2-Emissionen als mit herkömmlichem Diesel. Darüber hinaus sind die Abgase wesentlich sauberer und viel weniger aggressiv gegen Menschen (Krebs), Natur (saurer Regen) und Gebäude (Schwefel).
Weil der Staat das auch so sieht, ist Biodiesel von der Mineralölsteuer befreit – und dadurch über 10% günstiger als Diesel (derzeit 0,75-0,90 € pro Liter). Dieser Preisvorteil ist leider nicht ganz so drastisch wie auf den ersten Blick, da der Verbrauch mit Biodiesel geringfügig höher (0-10%) liegt als mit Diesel.
Wer
kann Biodiesel Tanken?
Nur Einarmige, FH-Professoren und Lottospieler. Nein, Scherz, theoretisch vertragen alle Dieselmotoren den Betrieb mit Biodiesel. Praktisch muss man sich vorher informieren, ob der Autohersteller für das Modell eine Freigabe erteilt hat. Diese Information bekommt man vom Hersteller selber (Bedienungsanleitung, Hotline) oder von www.agqm-biodiesel.de (Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel). Weitere Informationen finden sich unter www.ufop.de (Union zur Förderung ölproduzierender Pflanzen).
Der Grund für diese Hersteller-Freigaben ist folgender: Biodiesel kann bestimmte Gummis (Schläuche, Dichtungen) zum Aufquellen bringen und dadurch den Motor beschädigen. Da dieses Problem aber längst bekannt ist, wurden entsprechende Elemente entwickelt, die gegen Biodiesel resistent sind. Ist also die Freigabe erteilt (z.B. fast alle VW-Modelle seit 1995), kann man problemlos Biodiesel tanken. Ist dies nicht so, muß vorher der Hersteller kontaktiert und ggf. der Motor umgerüstet werden.
Wie
ist das im Winter?
Würde man „reinen“ Biodiesel das ganze Jahr über fahren, könnte es ab -5°C Außentemperatur tatsächlich Probleme mit dem Anspringen geben, weil der Biodiesel dann zu zähflüssig würde. Aber auch daran haben die Biodiesel-Hersteller gedacht: Im Sommer gibt es reinen Biodiesel, im Herbst „Übergangszeit-Biodiesel“ mit Additiven, der bis -8 °C problemlos anspringt und im Winter „Winter-Biodiesel“, der dann bis -15-20°C anspringt. Seit der Umstellung des Oha!Mobils (Lupo 3L TDI) im Herbst 2002 – und der Winter danach war oft knackig kalt – auch bei frühmorgendlichen Starts nie Probleme beim Anspringen gegeben. Übrigens: Additive finden sich auch in rauhen Mengen im "normalen" Diesel. Der würde sonst bei kalten Temperaturen ausflocken.
Wie
ist die Motorleistung?
Es gibt zwei gegenläufige Effekte beim Biodiesel: Weil pro Liter weniger Kohlenstoffe im Biodiesel sind, sollte die Motorleistung mit Biodiesel theoretisch etwas geringer sein. Andererseits verbrennt Biodiesel effizienter, was diesem Trend entgegenwirkt. Meine Erfahrung ist, dass der Lupo mit Biodiesel genauso, vielleicht sogar besser brausen kann als mit fossilem Diesel: Die Höchstgeschwindigkeit ist laut Fahrzeugbrief 165 km/h, mit Biodiesel hat der Tacho im „Super Pursuit Mode“ (Eco-Taste aus) sogar die 190 km/h – Marke geknackt. Mit Fossildiesel hatte ich das Auto nicht so weit ausgereizt, kann mir aber kaum vorstellen, dass er noch schneller fahren würde - bei 200 km/h hört nämlich die Tacho-Anzeige auf.
Meine
Werkstatt hat gesagt...
...dass Biodiesel Ärger gibt. Meine auch. Deshalb habe ich mich bei meiner Werkstatt, bei Volkswagen und bei der ufop informiert, bevor ich Biodiesel in mein geschätztes Oha!Mobil (neuer Lupo 3L TDI) gelassen habe.
Die Werkstatt hat, wie gesagt, gesagt, dass Biodiesel Ärger gibt. Auf genaueres Nachfragen kam raus, dass manche Kunden Probleme mit Biodiesel hatten und sich die Kraftstoffilter schneller zusetzen. Beim Lupo z.B. werde die Lebenszeit dieser von 60.000 km (Diesel) auf 30.000 km (Biodiesel) reduziert. Ein Kraftstoffilter, den ich folgerichtig bei der 30.000er Inspektion ersetzen habe lassen, kostet ca. 25 €. Von jeglichem weiteren „Ärger“ kann ich auch nach über zwei Jahren Biodiesel-Betrieb nicht berichten.
Volkswagen hat gesagt, dass beim Lupo die Freistellung erteilt ist und ich damit natürlich problemlos auch mit Biodiesel fahren könne. Über Probleme durch Biodiesel war dort nichts bekannt, die Garantie sei selbstverständlich vom Biodiesel-Betrieb unberührt. Ich sollte nur, wenn ich mich für Biodiesel entscheide, dies möglichst konsequent tun: Tank (fast) leerfahren, Biodiesel rein, möglichst nur noch Biodiesel tanken. Der Weg zurück zum Mineralöldiesel bleibe selbstverständlich offen: Leerfahren, Diesel rein, nur noch Diesel tanken.
Die ufop schließlich hat gesagt, dass bei einigen Werkstätten der Kenntnisstand bzgl. Biodiesel leider recht gering sei. Biodiesel löst demnach Rückstände von Diesel im Tank, die dann die Lebenszeit des Kraftstoffilters verkürzen – weshalb man diesen nach mehreren Tankfüllungen Biodiesel austauschen sollte. Probleme mit Biodiesel trotz Freigabe können dann auftreten, wenn kein „reiner“ Biodiesel getankt wird. Deshalb hat man die agqm (Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement) gegründet, die die normgerechte Qualität (DIN EN 14214, früher E DIN 5606) des Biodiesels bei Herstellung, Transport und Tankstellen überwachen soll. Bei Tankstellen mit dem AGQM-Aufkleber (eine Mischung zwischen „Q“ und Tropfen auf grünem Hintergrund) könne man unbesorgt tanken.
Mein Fazit: Bei der Umstellung den Tank fast leer fahren, danach möglichst immer normgerechten Biodiesel tanken und nach den allerersten paar Biodiesel-Tankfüllungen den Kraftstoffilter ersetzen lassen. Natürlich kann man, wenn z.B. sich partout keine Biodiesel-Tanke finden läßt oder man in einem Biodieselfreien Land Urlaub macht, für kurze Zeit auf Diesel umschwenken.
Über ggf. kürzere Wechselintervalle bei der Inspektion weiß die Werkstätte Bescheid.
Natürlich sind das nur meine Erfahrungen mit Biodiesel die für andere Anwender nicht voll übertragbar sein müssen. Die Entscheidung muss jeder letztendlich selber treffen. Allerdings halte ich es für ein sehr positives und ermutigendes Beispiel, wenn selbst der 3-Liter Lupo mit seiner anspruchsvollen Spartechnik mit Biodiesel bestens zurechtkommt.
Pflanzenöl
Eine Sache, die ich nicht ausprobiert habe, ist das Fahren mit reinem Pflanzenöl. Der ökologische Vorteil gegenüber Biodiesel ist, dass das Pflanzenöl nicht aufbereitet werden muss und völlig ungiftig, ja sogar genießbar ist.
Die Praxistauglichkeit müsste gegeben sein, schließlich ist u.a. der Vorsitzende des Solarenergie-Fördervereins (SFV) Wolf von Fabeck ist glühender Anhänger dieses Treibstoffs und gibt sicher die beste Auskunft zu dem Thema (eMail: zentrale@sfv.de). Man muss dazu den Wagen (oder LKW) nach einem Verfahren der Elsbett AG umrüsten lassen (Verschiedene Betriebe, z.B. Unicar in Aachen, bieten diesen Service an, kostet ca. 1500-3.000 €) und dann kann's losgehen. Der Grund warum ich nicht so weit gegangen bin, sind einmal die erwähnten Umrüstkosten und das vergleichsweise dünne Tankstellennetz für reines Pflanzenöl.
Eine Aufstellung dieser Tankstellen findet man unter www.biotanke.de . Eine andere bzw. zusätzliche Möglichkeit ist es, sich zuhause eine eigene Pflanzenöl-Tanke einzurichten - schließlich ist Pflanzenöl wirklich völlig ungefährlich. Und wenn der Saft unterwegs ausgeht: Ein Discounter, wo man für 69 Cent/Liter sich einige Flaschen Pflanzenöl kaufen kann, findet sich mittlerweile fast überall. Motorleistung und Verbrauch sind nach Auskunft von Herrn v. Fabeck mit Pflanzenöl absolut befriedigend.